04. Mai 2021MobilLesezeit: 3 Min.

DroidScript: Wie Google einem App-Projekt fast die Existenz raubte

Schon seit Jahren ist der Internet-Gigant Google berühmt-berüchtigt dafür, gerne ohne große Vorwarnung und Rechtfertigung Inhalte von seinen Plattformen zu löschen. Diesmal getroffen hat es die beliebte Entwicklungsumgebung DroidScript für Android-Smartphones. Fast einen Monat dauerte es, bis die Sperre aufgehoben werden konnte.

Es begann damit, dass Ende März der AdMob-Account der Entwickler*innen hinter der JavaScript-IDE deaktiviert wurde, berichtet droidscript.org-Gründer David auf Google Groups. Die unscharfe Begründung von Google lautete damals ›Invalid traffic‹ und ›Ad Fraud‹ – ein Umstand, den sich die Entwickler*innen, die in ihrer App einen einzigen Werbebanner einsetzten, nicht erklären konnten, aber zunächst nur für ein Versehen hielten. Erst nachdem ein Widerspruch dagegen in nur elf Minuten scheinbar automatisiert abgelehnt wurde, wuchs der Ärger über Google. Laut dem Gründer waren von einem auf den anderen Moment 30 % ihrer regelmäßigen Einnahmen abgeschnitten und Google bot zunächst auch keine weitere Möglichkeit an, der Sperrung zu widersprechen.

Kurzerhand musste DroidScript also eine neue Version der App ohne Googles Werbeservice erstellen und im Play Store veröffentlichen. Doch noch bevor es dazu kommen konnte, nur eine Woche später, kam die nächste E-Mail von Google: Diesmal war es die Android-App, die gegen die ›Ad Fraud‹-Richtlinien verstoße und permanent aus dem Play Store entfernt wurde! Ab da entwickelte sich die ganze Geschichte schnell zum Albtraum, wie David schreibt.

Google verursacht ein Desaster

Hauptsächlich finanziert sich DroidScript über ein Abo-Modell, das natürlich über den Google Play Store abgerechnet wird. Bestehende Abos wurden zwar nicht sofort gekündigt, ließen sich ab da aber nicht mehr verlängern und die ca. 100 000 Nutzer*innen hatten auch keine Möglichkeit mehr, sich die App aus dem Play Store herunterzuladen. Darunter viele Lehrkräfte und Studierende und andere angehende Android-Entwickler*innen. Zudem waren die Download-Statistiken und Bewertungen der letzten sieben Jahre mit einem Mal verschwunden, die selbst bei einem kompletten Republish der App unter neuem Paketnamen nur schwer hätten wiederaufgebaut werden können.

Die Hoffnung, dass wenigstens Google Play besseren Support als AdMob bieten würde, war schnell zerschlagen, als eine Antwort auf einen Widerspruch zwölf Tage auf sich warten ließ und schließlich der App ohne weitere Informationen vorwarf, auch noch gegen Google Plays Malware-Richtlinien zu verstoßen. In der Zwischenzeit liefen schon viele Abos aus und die Werbeeinnahmen fehlten weiterhin, sodass die Mitarbeiter*innen von DroidScript schon darauf vorbereitet werden mussten, für diesen Monat nicht bezahlt werden zu können – wenn nicht dauerhaft, sollte die Situation andauern.

Druck der Community ausschlaggebend

Erst, als nach diesem Bericht und einem verzweifelten Hilferuf an die Community der Fall mehr Aufmerksamkeit erreichte (größere Seiten wie XDA und T3N berichteten mittlerweile darüber), meldete sich Google am 1. Mai direkt an DroidScript. Weiterhin bestünde ein Verstoß gegen die ›Ad Fraud‹-Richtlinien, konkret als Problem benannt wurden nun aber unbeabsichtigte Klicks auf den Werbebanner und diese hätten jetzt sieben Tage Zeit, um gefixt zu werden. Vom Malware-Vorwurf war in der E-Mail gar nicht mehr die Rede.

Auch wenn dieses Debakel für DroidScript also noch glimpflich endete, zeigt dieser Fall eindrucksvoll, dass kleine Publisher kaum eine Chance gegen große Firmen wie Google haben, sollten diese sich dazu entscheiden, Apps und Inhalte von ihren Plattformen zu verbannen. Besonders bei unbekannten Apps ist unwahrscheinlich, dass der öffentliche Druck gegen große Firmen ausreichen würde, um sie zu einer Reaktion zu bewegen.

Um speziell den Vorwurf des ›Ad Fraud‹ zu vermeiden, wurde schon dazu aufgerufen, in Android-Apps überhaupt nicht mehr auf AdMob oder AdSense zu setzen. Eine Dauerlösung ist das natürlich nicht, vielmehr müssten Publisher und eigenständige Entwickler*innen immer wieder für mehr Rechte auf den Plattformen, auf denen sie veröffentlichen, einstehen und können bis dahin nur selbst für solche Fälle vorsorgen, um nicht irgendwann der Willkür von Google & Co zum Opfer zu fallen.


Quelle(n): DroidScript – Google Groups, Dan Fabulich – Medium (abgerufen am 04. 05. 2020)
Im Foto: DroidScript – Google Play